Scrum Board in der Kinder- und Jugendarbeit
11.10.2018

Elemente von Scrum in der Kinder- und Jugendarbeit

Was hat Scrum nur mit Kinder-und Jugendarbeit zu tun? Das mag sich so manch einer beim Lesen dieser Überschrift fragen. Gehen wir also dem Titel auf den Grund und schauen uns agiles Arbeiten, insbesondere in Hinblick auf den Einsatz von Elementen aus Scrum, in der Kinder- und Jugendarbeit am Beispiel des Kinderferienprogramms vom Verein Brückenhaus e.V. einmal näher an.

Beim Kinderferienprogramm vom Verein Brückenhaus e.V., das jährlich in der ersten Sommerferienwoche der Schulferien in Baden-Württemberg stattfindet, nehmen rund 180 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 12 Jahren teil. Betreut werden die Kinder und Jugendlichen von rund 15 hauptamtlichen und 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen. Jedes Jahr steht das Kinderferienprogramm unter einem anderen Motto, unter dem die Kinder und Jugendlichen dann eine gute Woche lang basteln, spielen und Spaß haben. Ein wichtiger pädagogischer Grundsatz des Vereins Brückenhaus e.V. ist es, Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten zu bieten, sie Dinge erkunden und ausprobieren zu lassen, sie mutig eigene Erfahrungen sammeln zu lassen und insbesondere ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Für die Mitarbeiter*innen des Kinderferienprogramms bedeutet dies, dass die Kinder und Jugendlichen in dieser Woche das Programm aktiv selbst mitgestalten und sie die Kinder und Jugendlichen darin unterstützen, ihre Ideen umzusetzen.

Blickt man nun einmal durch die Brille der Agilität, so könnte man in den Kindern und Jugendlichen die Kunden sehen. Der Kunde – das Kind – wird also in den Fokus gerückt, da an jedem Tag des Kinderferienprogramms auf die Kinderwünsche eingegangen wird. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen können sich somit nicht nur stärker einbringen und thematisch partizipieren, sondern auch spielerisch lernen, ihre eigenen Ideen zu verargumentieren und die anderer kritisch zu diskutieren. Durch das unmittelbare Erleben, welche Relevanz eigene Ideen entfalten können, kann zudem die Selbstwirksamkeitserfahrung der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden.

Aus Scrum Sicht können die Ideen der Kinder und Jugendlichen als Anforderungen verstanden werden, die von den Mitarbeiter*innen dann im nächsten Sprint, also am nächsten Tag, umgesetzt werden. Hierbei kann es vorkommen, dass zuvor geplante Bastel- und Spielangebote nochmals komplett über den Haufen geworfen werden, um die Ideen der Kinder und Jugendlichen möglich zu machen. Konkret sieht das folgendermaßen aus: Die Anforderungen der Kinder und Jugendlichen werden am Ende eines jeden Tages im Kinderferienprogramm in den jeweiligen Teams diskutiert und in konkrete Angebote überführt. Diese Teammeetings gleichen einem Planning-Meeting, in dem das nächste Sprintziel sowie die Umsetzung der Anforderungen gemeinsam besprochen und geplant werden. Bevor dieses Planning-Meeting durchgeführt wird, gibt es eine kurze Retrospektive, in der die Vorkommnisse des Tages nochmal näher betrachtet werden. Es wird also besprochen, wie es den Mitarbeiter*innen im letzten Sprint ergangen ist, was gut gelaufen ist, was verbessert werden kann. Die Ergebnisse werden im Rahmen dieser Besprechung in konkrete Veränderungen für den nächsten Tag überführt (vgl. Action Items). Im Anschluss an die individuellen Retrospektive- und Planning-Meetings treffen sich alle Mitarbeiter*innen nochmal gemeinsam und teilen ihre Ergebnisse der Retros mit den anderen Teams. Auch hier findet im Anschluss ein teamübergreifendes Planning für allgemeine Aufgaben statt.

In diesem Jahr haben wir die herausgearbeitete Nähe zur Agilität einmal explizit gemacht und unsere Aufgaben in einem gemeinsamen Scrum Board organisiert (siehe Foto). Jeden Tag (bzw. Sprint) beim Kinderferienprogramm haben wir mit einem gemeinsamen Check-in Meeting gestartet (Timebox: 30 Minuten), in dem wir gemeinsam nochmal auf das Board geschaut haben und jedem Team bzw. einzelnen Mitarbeiter*innen die Aufgaben vorstellt haben, welche sie für den Tag übernehmen (vgl. Daily). Ein Beispiel wäre hierfür, dass ein Team verkündet, welches programmübergreifende Sportangebot es an diesem Tag ausrichten wird. Ein anderes Team beschließt beispielsweise, für alle Kinder eine Zeitung zu machen und ordnet sich die entsprechende Aufgabe vom Board zu.

Alles in allem lassen sich viele Parallelen zwischen der Umsetzung des Kinderferienprogramms des Vereins Brückenhaus e.V. und einer agilen Arbeitsweise, insbesondere hinsichtlich der Elemente von Scrum, feststellen. Wie das Feedback der Kinder und Jugendlichen, sowie deren Eltern jedes Jahr zeigt, führt diese Vorgehensweise zu einer hohen Zufriedenheit der Kinder, also der Kunden. Die Organisation der Tagesaufgaben im Scrum Board hat nicht nur Transparenz bei allen Mitarbeiter*innen geschaffen, sondern auch dazu beigetragen, fokussiert zu arbeiten und effizient Aufgaben zu erledigen. Wenn man nun einmal über das Kinderferienprogramm hinaus blickt, kann die Einführung agiler Scrum Elemente auch in der Ausbildung jungen Mitarbeiter*innen eine wertvolle Hilfestellung bieten und junge Jugendleiter*innen ermutigen, neue Dinge auszuprobieren und die eigene Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen durch kontinuierliche Reflexion zu verbessern.

Link zum Kinderferienprogramm des Vereins Brückenhaus e.V. hier

 

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