21.06.2016

Responsive Mobile Design: Survival of the Fittest

Schon Charles Darwin verwies auf die Wichtigkeit von Responsive Design – frei zitiert: „It is not the strongest of the websites that survives, nor the most intelligent, but the one most responsive to change.“

Ein leicht angepasstes Zitat, ich gebe ja zu, dass ich „species“ durch „websites“ getauscht habe. Der Sinn bleibt erhalten, allerdings in komplett neuem Kontext.

Im Übrigen ist auch das vermeintliche Original falsch, das hier in Englisch zu sehen ist: Inzwischen ist Darwin als Urheber widerlegt.

Neben falschen Zitaten kann es auch „grüne“ Zitate geben, also Aussagen, die noch nicht reif sind. Sprach Mark Zuckerberg im Jahre 2012 noch von einer„mobile first“ Strategie, wurde dieses Statement durch Larry Page von Google getoppt, der eine „mobile-only world” postulierte. myntra.com, indischer E-Commerce Anbieter von Mode- und Lifestyle-Artikeln, nahm sich dies zu Herzen und sorgte 2015 für Furore mit der Ankündigung, die Desktop-Seite einzustampfen und eine „mobile only“ Strategie zu verfolgen. Ein mutiger Schritt, der sich allerdings als verfrüht erwies. Nun hat Myntra diesen Kurs kürzlich wieder revidiert. Guess what: desktop is back, alive and kicking!

Ganz vorne dabei: der Faktor Mensch. Die hochtechnologisierte Welt ist wohl noch nicht soweit, stationäre Computer ganz aufzugeben. Mobile ist mittlerweile omnipräsent, aber immer noch kein Alleinherrscher. Aus diesem Grund sagt Michael Schleiss von www.fuer-gruender.de: „Responsive Webdesign ist annähernd unumgänglich, wenn Besucher mit mobilen Endgeräten auf die Webseite gehen.“ Fazit: Die Mischung macht’s!

Zurück zu Falschzitaten und Missverständnissen, denn diese existieren sehr wohl auch im Bereich Responsive Testing, besonders im mobilen Kontext.

Überprüfen wir gemeinsam die folgenden Gedanken, die euch vielleicht auch schon einmal durch den Kopf gegangen sind.

Myth or Fact – Checke dein „mobiles” Wissen! 5 Thesen zum Responsive Mobile Testing.

Behauptung #1: Meine Webseite ist nicht für mobile Endgeräte optimiert. Na und?

Spätestens seit Googles Ranking Seiten bevorzugt, die für mobile Geräte optimiert sind, ist diese Behauptung abgelöst. Bei nicht für mobile Geräte optimiertem Inhalt sind Benutzer fünfmal schneller auf dem Absprung zu einer anderen Webseite. 81% der Befragten gaben sogar an, durch Online-Recherche letztlich zur Kaufentscheidung zu gelangen, und 60% benutzen ausschließlich mobile Geräte dafür. Die „App Attention Span“ Studie, die unter Mitwirkung der University of London erstellt wurde, kommt zu noch vehementeren Ergebnissen: die Konsumentenerwartung gegenüber Apps ist sehr hoch – drei von zehn Bankkunden würden sogar so weit gehen, die Bank zu wechseln, wenn deren App nicht die Erwartungen erfüllt.

Was kann man dagegen tun? Google bietet Tools wie den Optimierungstest für Mobilgeräte oder einen „Mobilverträglichen Test“ für Webseiten an. Dies ist ein Anfang, um Defizite zu entdecken – weitere Schritte führen zu einer solide durchdachten Mobilen Teststrategie, um die richtigen Kunden anzusprechen, eine großartige Mobile Experience zu liefern und die Kunden auf der Seite zu halten.

Behauptung #2: Für erfolgreiches Responsive Testing müssen lediglich alle üblichen Screenauflösungen überprüft werden

Falsch – dies war einmal. Eine Anwendung nur auf unterschiedlichen Auflösungen – wie Browserfenstergrößen – zu testen, genügt in Zeiten hochauflösender Displays lange nicht mehr. Hierbei sind zweierlei Aspekte entscheidend: zum einen die Ansicht, also verschiedene Größen und Auflösungen, damit verbunden auch pixel density (gemessen in ppi, "pixels per inch"), Screenorientierung (Portrait oder Landscape) und das Bildseitenverhältnis (aspect ratio), um eine angenehme Lesbarkeit zu gewährleisten. Zum anderen ist das Rendering auf unterschiedlichen Browsern, Endgeräten und Betriebssystemen (wohlgemerkt in angepassten Browser-Zoomstufen) entscheidend. Elemente, die aus dem horizontal sichtbaren Bildrahmen ragen, tragen genauso zu einer schlechten User Experience bei wie kleine und damit unleserliche Schrift oder nicht an das Gerät angepasste Interaktionsformen (z.B. Textfelder zur Eingabe der Anzahl im Warenkorb). Nach unserer Erfahrung reicht es nicht, auf emulierten Devices zu testen. Verlässliche Resultate erzielt man nur auf echten Endgeräten. Ein Beispiel: In der App einer Projektplattform des weltweit führenden Softwareherstellers für Bauprojekte wurde ein Bug im User Interface gemeldet, der nur auf spezifischen Android-Geräten eines Kunden auftrat - ein Verhalten, das im Emulator desselben Endgeräts nicht nachzuvollziehen war. Ferner lassen sich realistische Bedingungen (andere Apps installiert, Speicher teilweise belegt, Benutzeroberfläche angepasst etc.) nur auf echten Geräten und nicht mit bereinigten System-Images der Emulatoren und Simulatoren durchführen.

Behauptung #3: Responsive Design kann nur manuell getestet werden

Mit einem unserer Kunden, einer europaweit agierenden Einzelhandelskette, nahmen wir in einem Workshop die Strategie des bisherigen Webshops in Richtung Responsive Design und UX unter die Lupe. Wir halfen bei der Analyse der Kundendaten, halfen, Personas zu erstellen und legten mehrere Gruppen von Fokusgeräten an, die speziell getestet werden sollten. Um das Testing der neuen Responsive Designs zu unterstützen, legten wir ein POC (Proof of Concept) vor, das das QualityMinds Entwicklungsteam mittels Galen erstellt hat, einem automatisierten Testframework für Responsive Design. Galen ermöglicht automatisierte visuelle Checks bzw. Tests durch einen Stack an echten mobilen Geräten und Browsern in Verbindung mit Cloud Services wie BrowserStack oder Sauce Labs, und lässt somit keine Wünsche offen. Um erste Prototypen schnell und ohne Automatisierung auf mehreren Endgeräten synchronisiert testen zu können, präsentierten wir Browsersync. Damit ist Tool-Assisted Testing auch für nicht-technische Designer möglich, was die Entwicklungskosten senkt. Daher: Echte Tester sind unschlagbar, aber es gibt einige gute Open Source Werkzeuge, mit denen Responsive Tests einen hohen Grad an Automatisierung erreichen. Mittelfristig spart dies Zeit und ermöglicht schnelle Feedbackzyklen.

Behauptung #4: Responsive Mobile Testing ist komplex

Das stimmt – wir kommen der Sache näher. Eine erfolgreiche Mobile Teststrategie umfasst nicht nur technische Aspekte (Wahl der Plattform und Technologien), sondern hat das Anwendererlebnis des Endkunden im Fokus. Welche Arten von Endgeräten sollen unterstützt werden? Welche Release- und Updatezyklen sind geplant? In welchem Nutzungskontext wird die Software bzw. das Webprodukt verwendet? Wie erleichtert man spezifischen Usergruppen die Benutzung einer mobilen Seite? Wie ermöglichen wir ein personalisiertes Erlebnis mit relevanten Angeboten? Wie geht man operativ am besten mit Problemen, ihrer Nachstellung und Behebung um?

Die schier unbegreifliche Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten von Betriebssystemen, Geräten und Browsern überfordert anfangs jeden. Genau hier ist ein durchdachtes Vorgehen vonnöten, um sich auf Fokusgruppen zu konzentrieren und den Kampf um gute Qualität für den Kunden zu gewinnen. Die Geschwindigkeit der Softwareentwicklung und der Update-Folge nimmt weiterhin drastisch zu – eine echte Win-Win Situation erreicht man nur mit der richtigen Testmethodik, die Lean Prinzipen mit agilen Methoden und einem vernünftigen Grad an Automation funktionaler und nicht-funktionaler Tests verknüpft.

Behauptung #5: Da fast alle Mobile und Web Apps mit Servern kommunizieren, ist für die Performance allein das Backend entscheidend

Kurze Antwort: Nein. Die Performanz des Backends ist zwar wichtig, um Benutzern etwa schnell die Ergebnisse einer Produktsuche zu liefern. Das ist aber kein alleiniges K.o.-Kriterium, denn der Gesamteindruck darf nicht außer Acht gelassen werden. Auch die fixesten Antwortzeiten des Servers helfen nicht, wenn der Browser für das Rendering der Suchergebnisse zu lange braucht, zu darstellende Bilder nicht größenoptimiert sind oder und Ladezeiten wegen schlechter Internet-Verbindung den Nutzer entweder zum Kaffee oder zum App-Deinstallationsbutton greifen lassen.

In der Studie „App Attention Span“ gaben mehr als 8 von 10 befragten Personen an, Apps aufgrund von Performanceschwächen gelöscht zu haben. Das Stichwort „Perceived Performance“ ist ein wichtiger Baustein, der entscheidend zum Erfolg einer mobilen Anwendung beiträgt. Wer gerade unterwegs ist und zügig eine Information benötigt oder vom Weg in die Arbeit noch schnell eine Bestellung aufgeben will, für den sind Elemente wie aufwändiges Design oder Extrafunktionen nebensächlich. Im Fokus steht, wie zuverlässig der Benutzer zum Ziel kommt. Stellt den User in den Mittelpunkt, nicht die Technologie!

Ist dein mobiles Business ready für das survival of the fittest? Bist du neugierig geworden? Wir bei QualityMinds führen gerne einen „Quick Check“ deiner mobilen Apps und Webseiten für dich durch. Schreib uns einfach an testing@qualityminds.de

Wessen Business ist schließlich gerne vom Aussterben bedroht?

 

 

back

Kommentare