04.05.2017

Tipp 10: Stellen wir wieder den Lerner in den Mittelpunkt - Adaptive Lernumgebungen

Aus unserer Beitragsreihe „10 Tipps zum Lernen in Dienstleistungsunternehmen“

Wer hat nicht schon einmal eine Schulung besucht, in der man mit bis zu 29 anderen Teilnehmern in einem Raum sitzt und Inhalte zu dem gebuchten Thema vermittelt bekommt? Auch wenn in der Broschüre vorher stand, dass bestimmte Kenntnisse als Vorwissen erwartet werden, ist die teilnehmende Gruppe sehr heterogen - und dann fängt der Dozent doch wieder bei den Grundlagen an, um alle Teilnehmer abzuholen. Bei solchen Lernbedingungen werden der Einzelne, sein Vorwissen, seine Lernbedürfnisse und seine Eigenheiten kaum berücksichtigt. In Präsenzveranstaltungen mit einer großen Anzahl von Teilnehmern, die sich auf ein Zertifikat vorbereiten, ist es häufig besonders schwierig, individuell auf die Bedürfnisse und Lernwünsche des Einzelnen einzugehen. An dieser Stelle können adaptive Lernumgebungen helfen, das Individuum wieder in den Mittelpunkt der Lehre zu rücken.

Vielleicht ist Technologie ja doch die Lösung

Häufig wird Bildungstechnologien vorgeworfen, zu wenig auf das pädagogische Problem des Lernenden einzugehen und zu früh auf die Lösung zu fokussieren (Requirements Engineers sollte diese Problematik bekannt sein). Dadurch wird eine große Lehr- und Lernproblematik unserer Zeit, die Deindividualisierung der Lehre, häufig nur unzureichend durch neue Technologien adressiert. So ermöglichen Lernvideos (siehe Tipp 6) zwar, dass Lernende Inhalte dann anschauen können, wenn es für sie passt, aber vielleicht braucht der Lernende diese Inhalte gar nicht, weil er sie bereits kennt oder sie für ihn keine Relevanz besitzen. Hier unterstützen adaptive Lernumgebungen.

Adaptive Lernumgebungen

Adaptive Lernumgebungen helfen Lernenden, das zu lernen, was sie lernen wollen, und auch das, was sie brauchen. Mithilfe verschiedener Fragebögen lassen sich das Interesse, die Ziele und der aktuelle Wissensstand bestimmen. Auf dieser Basis werden verschiedene Inhalte, idealerweise in unterschiedlichen Formaten (wie z.B. Video, Audio und Text) präsentiert. So empfiehlt es sich, die Lerninhalte in möglichst kleinen Einheiten anzubieten und mit Wissenstests zu verbinden. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass der Lernende auf seinem Vorwissen aufbauend exakt die Inhalte erhält, die er für den Wissenserwerb zu einem bestimmten Thema braucht. Bei Falschbeantwortung einer Frage erfolgt automatisch der Verweis an die richtige Stelle der Video- oder Audiodatei bzw. des Textes. Durch regelmäßige Analysen kann die adaptive Lernumgebung nicht nur Hilfestellung zu folgenden Lerninhalten bieten, sie unterstützt zusätzlich das individuelle Lernverhalten und kann Irrtümer (z.B. im Format) aufdecken. So sollte eine adaptive Lernumgebung den Studierenden darauf hinweisen, an welchen Stellen er mehr Aktivität zeigen sollte und an welchen er sich vertiefende Inhalte in folgendem Format aneignen könnte.

An vielen Stellen stecken die adaptivem Lernumgebungen jedoch noch in den Kinderschuhen. Neben Fragen etwa zum idealen Schnitt der Inhalte stehen auch Überlegungen im Fokus, welche Chancen und Risiken mit dem Sammeln und vor allem dem Auswerten persönlicher Daten verbunden sind.

Fazit
Adaptive Lernumgebungen bieten die Möglichkeit, wirklich auf die Wünsche und Bedürfnisse des einzelnen Lernenden einzugehen. Kurzum: Jedem Lernenden ist der höchste Lernerfolg beschert und er erlebt den meisten Spaß bei seiner geistigen Arbeit durch:

  • die Abfrage seiner Ziele und seines aktuellen Wissensstands sowie
  • die modulare Zerteilung der Inhalte
  • und ihre Bereitstellung über verschiedene Medien und Lernkanäle.
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