Effektiveres Lernen in Dienstleistungsunternehmen
02.08.2016

Tipp 2: Social Media Kanäle für Lernzwecke – geht das überhaupt?

Aus unserer Beitragsreihe „10 Tipps zum Lernen in Dienstleistungsunternehmen“

Soziale Medien sind für die meisten von uns ein wichtiger Teil des Lebens. Wir nutzen Facebook, Twitter & Co., um uns zu informieren, uns auszutauschen oder einfach nur um zu sehen, was unsere "Freunde" so treiben. Die Wenigsten von uns nutzen soziale Medien zum Lehren und Lernen. Wenn sie doch zum Einsatz kommen, sind die Nutzungsversuche (z.B. Twitter als Medium in der Vorlesung) nicht immer von Erfolg gekrönt.

Welche und wie genau werden soziale Medien benutzt? Der Vortragende sollte sie, ähnlich wie im Falle von Instruktionen*, danach auswählen, welche Ziele er mit ihrem Einsatz verfolgt. So sind Blogs für andere Arten der Kommunikation geeignet als etwa Facebook und Twitter.

Nutzung von Facebook, Twitter & Co.
Auf Facebook kommunizieren die Nutzer in erster Linie über private Themen und veröffentlichen beispielsweise Urlaubs- und Essensbilder und lustige (Katzen-) Videos. Bisweilen finden sich auch politische Diskussionen. Diese dienen selten dem politischen Diskurs als vielmehr dem Bashing, also dem Niedermachen, der politischen Ansichten anderer Facebook-User. Aufgrund dieser starken privaten Verwendung ist Facebook als Lernplattform, zumindest ohne weitere unterstützende Maßnahmen, zumeist nicht sinnvoll. Die User bzw. die Lernenden verknüpfen Facebook nicht mit Lernaktivitäten und lassen sich dadurch stark von den Inhalten ablenken.

Twitter und Blogs in Lehrumgebungen zu nutzen ist in der Regel einfacher – vor allem dann, wenn der Twitter Account eigens für Lernzwecke eingerichtet wurde. Twitter ermöglicht es dem Informationssuchenden, auf einfache Weise Themengebiete und interessante Personen zu finden und zu verfolgen. Ähnlich wie bei der Arbeit mit Büchern oder Fachtexten kann der Nutzer mit steigender Erfahrung die Twitter Accounts und Beiträge zielgerichteter auswählen. Über Twitter-Beiträge rücken oft auch geeignete Blogs mehr in den Fokus, denn häufig verlinken Experten ihre gut recherchierten Beiträge und erhalten anschließend auch regelmäßig Kommentare von anderen Experten.

In diesem Zusammenhang hat sich in manchen Communitys eine weitere lernförderliche Aktivität etabliert – die sogenannte "Comment Challenge". Hier soll jedes Community-Mitglied einen Blogeintrag pro Woche kommentieren. Diese Lernaktivität geht qualitativ weit über das reine Lesen der Beiträge hinaus. So muss der Lernende den Text lesen, verstehen und eigene Gedanken dazu formulieren. Aus lerntheoretischer Sicht handelt es sich um die Konstruktion neuen Wissens, die sich langanhaltend positiv auf den Lernprozess auswirkt.

Unterstützung durch Messenger Services
Auch Messenger Services, wie z.B. Slack oder What's App, können unter Umständen für den Austausch über Lerninhalte genutzt werden. Da mit dem Messenger hauptsächlich Ziele wie Freizeit-Kommunikation und -Koordination verfolgt werden, ist es in den meisten Fällen nötig, klare Regeln zu formulieren und für deren Einhaltung zu sorgen. Beispiel: Über Slack steht den Nutzern ein Channel für eine Buchbesprechung zur Verfügung. Mehrere Kollegen nutzen ihn, und ein Moderator setzt Termine fest, bis zu dem ein Beitrag zum Buch fertig sein soll. Darüber hinaus schränkt er diesen Beitrag idealerweise durch eine konkrete Frage weiter ein. Entsteht so eine angeregte Diskussion, kann diese Strategie für andere Beiträge weiterverwendet werden. Alternativ kann der Moderator Rollen an die Lernenden verteilen, wie die des Kritikers, oder konkrete Aufgaben zu den geschriebenen Texten herausgeben. Feste Verhaltensregeln helfen der Gruppe im Diskussionsprozess, etwa für den Fall, dass ein Gruppenmitglied keine Beiträge abgibt. Hier hat sich übrigens Kuchenbacken als "Bestrafung" bewährt. ;)

FAZIT
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die meisten sozialen Medien zur Erreichung von Lernzielen eignen. Derjenige, der sie einsetzt, sollte sich bewusst sein, welches Lernziel er mit welchem sozialen Medium erreichen möchte. Für die Informationssuche und für schnellen Austausch kommt beispielsweise Twitter eher in Frage, während Blogs zu vertiefenden Lernprozessen anregen können.

Um einer Vermischung von Lernen und Freizeit entgegen zu wirken, können die Nutzer unterschiedliche Accounts eröffnen und/oder gänzlich neue Medien für Lernzwecke ausprobieren. Und natürlich helfen klare Regeln dabei, stetig an den Lernzielen zu arbeiten und diese am Ende auch zu erreichen.

In diesem Sinne wünschen wir eine erfolgreiche Nutzung unseres Blogs!

 

*Hierzu empfehlen wir unseren Beitrag zum Thema „Strukturierung“. Er erscheint als nächstes in diesem Blog.

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