Effektiveres Lernen in Dienstleistungsunternehmen
12.01.2017

Tipp 7: PracLab - von der Theorie in die Praxis

Aus unserer Beitragsreihe „10 Tipps zum Lernen in Dienstleistungsunternehmen“

Wie Consultants ihre Methodenkompetenz steigern können
 
Bisher haben wir uns in den Blogbeiträgen zum Thema Lernen vorrangig mit dem Aspekt des Wissenserwerbs beschäftigt und der Frage, wie Strukturen diesen erleichtern können.

Im heutigen Beitrag geht es weniger um den Erwerb von Faktenwissen, als vielmehr darum, wie man Methoden zur Anwendung bringt. Es gibt zahllose Bücher von althergebrachten bis neuen Methoden für jedes Fachgebiet. Zumeist beschreiben die Autoren (zumindest die guten unter ihnen) ganz genau, wie sie die Methode entwickelt haben, welche Ziele sie damit verfolgen und wie sie sie in der Praxis einsetzen. Ein gutes Beispiel für ein solches Lehrbuch sind die User Story Maps von Jeff Patton.

Arbeiten nach Lehrbuch

Bei dem Versuch, womöglich als Anfänger, die Inhalte des Buches in die eigene Praxis zu übertragen, stößt man auf viele große wie kleine Probleme. Angefangen damit, dass sich die Inhalte, die beim Lesen noch so klar und verständlich waren, nicht sicher einprägen, bis hin, dass sich die Inhalte schlecht auf den gerade anwesenden Kunden anpassen lassen wollen.

In der Fachliteratur wird dieses Problem mit "trägem Wissen" und "fehlendem Transfer" beschrieben. Wir allen kennen den bisweilen schwierigen Weg, gelernte theoretische Inhalte in die Praxis zu übertragen. Die zentrale Frage also lautet: Wie gehen wir vor, wenn die neue Methode beim nächsten Kundentermin nicht nur sitzen, sondern sich auch auf dessen Fall anwenden lassen soll?

Auch an dieser Stelle kann kooperatives und strukturiertes Herangehen helfen:
 
Phasen im PracLab

Das von uns, bei QualityMinds, entworfene PracticeLaboratory oder kurz PracLab besteht aus vier Phasen, in denen sich individuelle und kooperative Elemente abwechseln. Es bietet sich an, das PracLab mit drei bis vier Personen durchzuführen, wobei einer davon bereits Experte in dem zu erwerbenden Fachgebiet ist.

Zu Beginn lesen die Teilnehmer getrennt voneinander einzelne Kapitel des Fachtextes durch und erstellen für sich kurze Zusammenfassungen des Gelesenen. In der zweiten Phase tauschen sie sich über das Gelesene aus. Als besonders zielführend hat es sich erwiesen, sich gegenseitig Fragen zu stellen und diese in der Gruppe zu beantworten. An dieser Stelle kann der Experte hilfreiche Hinweise hinsichtlich der Qualität der Fragen geben und zu Beginn auch einige Beispielfragen vorgeben. Sinnvollerweise gibt der Experte nicht die Antworten und reduziert seine Fragen über die Übung hinweg, damit die Lernenden diese Rolle selbstständig ausfüllen können.

In der folgenden Phase steht die eigentliche Praxisübung an. Der Experte gibt ein Beispiel aus seiner Erfahrung vor und die Lernenden versuchen, dieses es gemeinsam oder jeder für sich zu lösen. Ob die Aufgabe gemeinsam gelöst werden kann, hängt von ihrer Komplexität ab und davon, ob in der Praxis Möglichkeiten bestehen, die Aufgabe gemeinsam zu bewältigen.

In der letzten Phase geht es um Feedback und Reflexion. Sowohl der Experte als auch die Lernenden untereinander geben Feedback zum Prozess sowie zur Lösung der Aufgabe. Außerdem sollen die Lernenden darüber austauschen, an welchen Punkten der Aufgabe sie sich sicher bzw. unsicher gefühlt haben und wo sie noch Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Die Reflexion ist ein wichtiger Schritt, um die jeweilige Methode weiterzuentwickeln und mehr dem persönlichen Stil anzupassen. Phase drei und vier werden so häufig wiederholt, bis der Experte mit dem Ergebnis zufrieden ist und die Lernenden sich sicher fühlen.
 
Fazit
Das regelmäßige Einüben neuer Methoden ist notwendig, um sie im wichtigen Moment sicher einsetzen zu können. Gerade von Consultants wird erwartet, dass sie hinsichtlich innovativer Methoden, die in Fachtexten publiziert werden, auf dem neuesten Stand sind. PracLab hilft, diese Fachtexte effizient durchzuarbeiten und so einzuüben, dass sie auf den jeweiligen Kunden und dessen Bedürfnisse transferiert werden können.

Im nächsten Beitrag:

Tipp 8: Individuell Lernen mit Hilfe von Fragebögen und Co.

Manchmal wollen wir Dinge ganz genau ermitteln – z.B. ob die Lernenden die neuen Inhalte verstanden haben, ob unsere Instruktion gegriffen hat und wie der allgemeine Lernfortschritt zu einem bestimmten Thema ist. Wenn wir etwas ganz genau herausfinden möchten, bieten sich verschiedene Testverfahren zur Untersuchung an. Und hier zeigen sich nicht nur im Namen Ähnlichkeiten zu Testverfahren in der Software-Entwicklung.

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