Effektiveres Lernen in Dienstleistungsunternehmen
09.03.2017

Tipp 9: Lernen am Modell - wie wir noch besser von unseren Kollegen lernen können

Aus unserer Beitragsreihe „10 Tipps zum Lernen in Dienstleistungsunternehmen“

Das Lernen von Anderen ist eine der grundlegenden Lernformen. Beginnen wir doch schon von Kindesbeinen an, unsere Eltern und unsere Geschwister nachzuahmen. Später im Berufsleben lernen wir sehr viel von unseren Kollegen. In Interviews mit Consultants berichtete jeder zweite davon, dass er sich mit den Kollegen austauscht und von deren Handlungsweisen lernt.

Ein-zu eins- und Gruppenunterricht

Diese Form des Lernens kann in unterschiedlicher Weise angewandt werden. So kann ein erfahrener Mitarbeiter sich mit einem unerfahreneren Kollegen zusammensetzen und die neue Handlung vormachen. Der unerfahrene Kollege macht die Handlung anschließend nach, während ihm der geübte Kollege dabei zuschaut und ihn, soweit nötig, korrigiert. Um die jeweilige Handlung in einem größeren Zusammenhang zu verstehen, bietet es sich an, dass der erfahrene Kollege seine Handlungsschritte laut kommentiert (angelehnt an das sogenannte „Laute Denken“). Der versierte Kollege erklärt, warum die Prozessschritte in einer bestimmten Reihenfolge stattfinden oder warum die Handlung in der gewählten Weise Sinn macht und effizient ist. Von besonderem Vorteil erweist es sich, wenn nicht der Fachexperte des Unternehmens mit dem Anfänger die Übung die ersten Male durchgeht, sondern ein Mitarbeiter, der die Aktion als letzter gelernt hat. Häufig tun sich diese Mitarbeiter leichter, sich in die Situation des Anfängers hineinzuversetzen und auf Schwierigkeiten, die sie selbst erst kürzlich erfahren haben, hinzuweisen.

Sollen mehrere Teammitgleider gleichzeitig in eine Methode eingeführt werden, aber nur einer kann die Übung nachmachen, bekommen die anderen Mitarbeiter reflektierende Aufgaben zugewiesen. Jeder Beobachter ist dann über eine bestimmte Rolle ins Geschehen involviert und achtet etwa darauf, ob und wie bestimmte Handlungsdetails durchgeführt werden. Dieses passive Mitwirken erleichtert im anschließenden Gespräch ein zielgerichtetes Feedback und alle Lernenden bekommen ein Gespür dafür, welche Aspekte der Lehrende als besonders wichtig erachtet.

Unterstützung mit Lehrvideos

Diese Art der Lehre lässt sich besonders gut mit Lehrvideos begleiten (mehr zum Thema Lehrvideos siehe LINK). Zum einen lässt sich aufzeichnen, was der erfahrene Mitarbeiter vormacht, und die Gruppe oder das Unternehmen hat für später ein Beispiel, wie die Methode aussehen kann. Es lohnt sich aber auch, den Versuch des unerfahrenen Mitarbeiters aufzuzeichnen, um mehr Übungsmaterial für die Reflexion vorrätig zu haben. Leichter und unverfänglicher agieren die Beteiligten, wenn die Videos anonymisiert werden und, soweit möglich, auf die Aufnahme von Gesichtern verzichtet wird.

Fazit

Wir sind es gewohnt, von anderen zu lernen und deren Handlungen nachzuahmen. Besonders im beruflichen Umfeld ist es hilfreich, sich verschiedene Kniffe von routinierten Kollegen abzuschauen. Verschiedene Methoden wie „Lautes Denken“ und Reflexionsfragen unterstützen dabei, diese Form des Lehrens noch zielführender und lernförderlicher zu gestalten. Kombiniert mit Videoaufzeichnungen bringen Übungen der Imitation zusätzlichen Nutzen über die aktuelle Situation hinaus.

Im nächsten Beitrag:

Tipp 10: Stellen wir wieder den Lerner in den Mittelpunkt - Adaptive Lernumgebungen

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